Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,
in der vergangenen Woche hat im Rahmen der Mitgliederversammlung der Landesmusikakademie NRW der renommierte Prof. Dr. Eckart Altenmüller einen Vortrag über die Bedeutung und Wirkung von Musik gehalten und ich war und bin noch immer begeistert. Lassen Sie mich Sie kurz mitnehmen.
Wenn wir heute über musikalische Bildung sprechen, dann sprechen wir über etwas zutiefst Menschliches. Musik ist kein Zusatz, keine Option – Musik ist Teil dessen, was uns als Menschen ausmacht. Prof. Dr. Eckart Altenmüller ist Arzt, Musiker, und Forscher. Er forscht auf dem Gebiet der Neurophysiologie und Neuropsychologie von Musikern und gilt als ausgewiesener Experte – eine echte Koryphäe. In seinen Vorträgen wird eines klar: Musikalisches Handeln begleitet die Menschheit bereits seit Jahrtausenden – über Kulturen, Kontinente und Lebenswelten hinweg.
Diese anthropologische Dimension verbindet sich mit etwas Zweitem: Musik prägt Menschen auf eine Weise, wie es kaum ein anderer Bildungsbereich kann. Die Forschung zeigt, dass beim Musizieren nahezu das ganze Gehirn aktiv ist – Motorik, Emotion, Hören, Sehen, Entscheidungen, Koordination. Für die Entwicklung bedeutet das: Kinder, die musizieren, trainieren ihre Aufmerksamkeit, ihr Gedächtnis, ihre Sprachfähigkeit und ihre emotionale Selbstregulation. Die Fähigkeiten, die dabei entstehen, wirken weit über die Musik hinaus – sie stärken Kinder im Alltag, in der Schule, in sozialen Situationen. Das ist keine Behauptung, das ist wissenschaftlich belegt.
Und drittens: Musik verbindet. Gemeinsames Singen, Spielen, Tanzen – all das fördert nachweislich prosoziales Verhalten. Studien zeigen, dass bereits zweijährige Kinder hilfsbereiter werden, wenn sie gemeinsam im Rhythmus schwingen oder Musik erleben. Bei Vierjährigen führt gemeinsames Musizieren zu größerer Kooperation und Empathie. Wer musiziert, lernt zuzuhören, sich einzubringen, Rücksicht zu nehmen – Fähigkeiten, die wir in unserer Gesellschaft dringend brauchen.
All das zeigt: Musik ist nicht nice to have. Musik ist entwicklungsrelevant, gemeinschaftsstiftend und identitätsbildend.
Diese Erkenntnisse spiegeln sich auch in den Beratungen unseres Antrags „Musik ins Leben!“ wider. Die Anhörung im Kulturausschuss hat uns gute und wichtige Impulse: Viele Sachverständige haben betont, dass der Ganztag an Schule enorme Chancen für musikalische Bildung bietet. Wichtig seien dafür verlässliche Strukturen und Kooperationen, z.B. zwischen Musikschulen und Schulen.
Ein weiterer zentraler Bereich ist die Amateurmusik. Sie trägt kulturelle Bildung gerade im ländlichen Raum. Chöre, Blasorchester und Vereine verbinden Generationen. Aber auch hier gilt: Ohne verlässliche partnerschaftliche Strukturen können diese Ensembles ihre wichtige Rolle nicht mehr im bisherigen Umfang erfüllen. Die Experten haben deutlich gemacht, dass Amateurmusik stärker in kommunale Bildungsnetzwerke eingebunden werden muss und Unterstützung bei Qualifizierung und Ressourcen braucht.
Und besonders eindringlich war der Hinweis auf den Fachkräftemangel – wir im Kulturbereich kennen die MULEM-EX- sowie die MIKADO-Studie. Musikschulen melden schon heute fehlende Bewerberinnen und Bewerber. In den kommenden Jahren werden tausende Lehrkräfte fehlen: mit dramatischen Folgen für Unterricht, Ensembles, Kooperationen und vor allem für die Kinder selbst. Die Anhörung hat klar gezeigt, dass wir jetzt handeln müssen: bessere Studienbedingungen, attraktive Berufsperspektiven, verlässliche Rahmenbedingungen für Kommunen und Musikschulen. Genau hier setzt unser Antrag an.
Ein Punkt, den ich in der Anhörung besonders spannend fand, war die Bedeutung von Community Music als eigenständiger Ansatz in der musikalischen Bildung. Community Music arbeitet nicht zuvorderst produktorientiert, sondern prozessorientiert: Menschen gestalten Musik gemeinsam, unabhängig von Vorerfahrung, Leistungsniveau oder sozialem Hintergrund. In einer Gesellschaft, die immer vielfältiger wird, ist Musik ein verbindendes Element. Wenn wir musikalische Teilhabe wirklich breit verankern wollen, dann müssen wir diese partizipativen Formate stärken, qualifizieren und strukturell unterstützen.
Meine Damen und Herren,
ich hoffe, ich konnte Sie mit meinen Punkten davon überzeugen, wie richtig unser Antrag zur Musik und kultureller Bildung ist. Musik schafft Gemeinschaft, stärkt Selbstwirksamkeit, gibt Sinn, überwindet Einsamkeit und ermöglicht Dialog – unabhängig von Herkunft, Alter oder Bildung. Ich möchte abschließend Herrn Prof. Altenmüller zitieren: „Musik hilft uns, Mensch zu sein.“
Daher bitte ich Sie herzlich um Zustimmung.
Vielen Dank.

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