Martin Sträßer zu TOP 5 „Deutschförderung vor Regelunterricht – fremdsprachige Schüler brauchen differenzierte Betreuung“

28.01.2026

Sehr geehrter Herr Präsident,
meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen!

Zum wiederholten Male debattieren wir heute über einen AfD-Antrag zu, Zitat „Deutschförderung“. Ich versuche mal, mehrsprachig zu antworten.
Das lateinische Sprichwort „Repetitio est mater studiorum“ lehrt uns eigentlich, dass Wiederholung die Mutter des Lernens sei. Bei diesem Antrag und nach der Rede mei¬nes Vorredners steht wohl fest: Die ständige Wiederholung führt hier leider nicht zu neuen oder besseren Erkenntnissen. Das ist nur eine Wiederholung ohne Substanz.
Es bleibt unstrittig: Das Beherrschen der deutschen Sprache ist für Kinder der ent-scheidende Schlüssel für erfolgreiche Bildung. Deshalb ist frühe Sprachförderung so wichtig. Das Beherrschen der deutschen Sprache führt zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Es ist eine wichtige Voraussetzung für echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben damit auch für gelingende Integration.
Genau deshalb stärken wir die frühkindliche Sprachförderung. Mit dem Schulkompass NRW 2030 und jetzt auch mit den ABC-Klassen gehen wir wichtige Schritte, um durch gezielte Sprachförderung die Deutschkenntnisse von Kindern frühzeitig und nachhaltig zu stärken.
Wir wollen, dass alle Kinder gut vorbereitet in die Schule starten können, um den schu¬lischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen zu sein.

Mit den ABC-Klassen im Jahr vor der Einschulung schaffen wir bessere Startchancen von Anfang an und leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit.
Wir verfolgen ganz bewusst einen präventiven Ansatz. Denn unser Ziel ist klar: Kinder sollen dem Regelunterricht in deutscher Sprache vom ersten Schultag an erfolgreich folgen können.
Dabei ist mir wichtig zu betonen: Die ABC-Klassen sind eine zusätzliche Sprachförde¬rung, die bei den Schulen angesiedelt ist. Sie sind aber weder Konkurrenz noch Ersatz der wertvollen Sprachförderung, die bereits in den Kitas geleistet wird.
Es geht nicht um ein „Entweder oder“, sondern um ein „Sowohl als auch“.
Und es geht bei den ABC-Klassen nicht ausschließlich um Sprachförderung. ABC-Klassen sind keine klassischen Sprachkurse. Im Gegenteil: Die Kinder werden als in¬dividuelle Persönlichkeiten wahrgenommen. Hier wird zusätzliche Förderung möglich sein, wo sie notwendig ist.
ABC-Klassen bieten so Chancen über die Sprachförderung hinaus. So können Kinder auch früher als gewöhnlich einen Bezug zur Schule aufbauen – in vielen Fällen viel¬leicht sogar ganz konkret zu ihrer zukünftigen Schule.
Pädagogisch legen wir Wert auf qualifizierte und multiprofessionelle Teams. Die Ba-sisqualifizierung für Deutsch als Zweitsprache wird gezielt für multiprofessionelle Teams und sozialpädagogische Fachkräfte geöffnet. Sprachförderung ruht damit auf mehreren Schultern – fachlich fundiert und praxisnah.
Finanziell stehen wir zum Konnexitätsprinzip. Das Land übernimmt die entstehenden Mehrkosten. Das ist gelebte Verlässlichkeit.
Ganz wichtig ist: Diese ABC-Klassen werden nicht im Hauruck-Verfahren eingeführt. Hier geht es um ein komplexes Verfahren mit vielen Beteiligten, für das neue Ressour¬cen notwendig werden.
Deshalb geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Wir brauchen ausreichend Zeit für eine sorgfältige und verantwortungsvolle Umsetzung.

Dabei werden weiterhin alle Beteiligten einbezogen – Kitas, Schulen, Kommunen. Aber der Rahmen dafür ist gesteckt.
Mein Fazit:
Wir wollen Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse nicht ausgrenzen, sondern wir wollen sie durch frühzeitige Sprachförderung integrieren. Die ABC-Klassen sind dafür ein wichtiger nächster Baustein sein.
Wir wissen: Sprache öffnet Türen – und wir tragen mit unserer Politik dazu bei, dass jedes Kind diese Tür aufstoßen kann.
Deshalb lehnen wir den Antrag ab.

Vielen Dank.