Charlotte Quik MdL zu TOP 13 „Kinderschutz ernstnehmen – sexuelle Bildung in NRW unabhängig aufarbeiten!

19.03.2026

Sehr geehrte Frau Präsidentin / sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn es um Gewalt gegen Kinder geht, darf das niemand relativieren. Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel.
Aber genauso gilt:
Wer über Kinderschutz spricht, muss dies verantwortungsvoll und faktenbasiert tun – und darf nicht mit Dramatisierungen arbeiten.
Eine solche Dramatisierung lässt sich leider auch in dem vorliegenden Antrag der AfD beobachten.
Ja, die Zahlen zu gemeldeten Gewaltvorfällen in Kitas sind gestiegen.
Im vergangenen Jahr wurden in Nordrhein-Westfalen über 4.700 Vorfälle gemeldet.
Das ist ein deutlicher Anstieg – und selbstverständlich schauen wir uns diese Entwicklung sehr genau an. Aber man muss eben auch sagen, was hinter diesen Zahlen steht.
Erstens:
Seit Oktober 2024 gibt es ein neues digitales Meldesystem über KiBiz.web. Vorfälle werden heute systematischer und konsequenter gemeldet als früher.
Mehr Meldungen können deshalb auch bedeuten: Das Dunkelfeld wird kleiner.
Zweitens:
Ein erheblicher Teil der gemeldeten Vorfälle betrifft Konflikte zwischen Kindern. Allein bei körperlichen Übergriffen entfielen im Jahr 2025 2.481 Fälle auf Gewalt unter Kindern.
Auch das zeigt:
Wir müssen Entwicklungen genau analysieren – statt vorschnell, politische Schuldzuweisungen zu konstruieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Nordrhein-Westfalen stärkt den Kinderschutz seit Jahren konsequent – und zwar strukturell.
Mit dem Landeskinderschutzgesetz, das wir 2025 noch einmal weiterentwickelt haben, gelten in Nordrhein-Westfalen bundesweit vorbildliche Standards. Jugendämter arbeiten nach einheitlichen Verfahren zur Gefährdungseinschätzung, kommunale Netzwerke im Kinderschutz sind verpflichtend und Einrichtungen müssen verbindliche Schutzkonzepte entwickeln.
Zudem haben wir eine unabhängige Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte geschaffen. Petra Ladenburger hat Anfang dieses Jahres ihre Arbeit aufgenommen und wird wichtige Impulse für Prävention und Aufarbeitung setzen.
Parallel dazu stärken wir auch die wissenschaftliche Grundlage des Kinderschutzes. Mit der neuen Professur für Kinderschutz und Kinderrechte, die an der Hochschule Düsseldorf eingerichtet wird, investieren wir gezielt in Forschung, Ausbildung und den Transfer in die Praxis. Denn gut ausgebildete Fachkräfte sind der Schlüssel für wirksamen Kinderschutz.
Und wir gehen noch weiter:
Mit einer Landeskommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder entwickeln wir transparente Standards für Organisationen und Einrichtungen, um vergangene Fälle aufzuarbeiten und daraus verbindliche Lehren für Prävention und Intervention zu ziehen.
Kinderschutz endet aber nicht bei Gesetzen oder Strukturen. Er muss auch im Alltag greifen.
Deshalb stärken wir beispielsweise die Ermittlungsarbeit gegen sexualisierte Gewalt im Netz, etwa durch den Einsatz neuer KI-Technologien zur Erkennung von Missbrauchsdarstellungen.

Und wir schaffen Orte, an denen betroffene Kinder schnelle und sensible Hilfe erhalten – etwa in den Childhood-Häusern in Düsseldorf und Bonn, in denen medizinische, psychologische und polizeiliche Unterstützung unter einem Dach zusammenkommen.
Das alles zeigt:
Kinderschutz ist für diese Landesregierung kein Schlagwort – sondern konkrete Politik mit hoher Priorität.

Der AfD-Antrag versucht stattdessen, steigende Meldungen pauschal als Beleg für angebliche Qualitätsverluste darzustellen und politisch zu instrumentalisieren. Das wird der Komplexität des Themas nicht gerecht.
Kinderschutz ist eine dauerhafte Aufgabe. Wir müssen Entwicklungen sorgfältig auswerten, Prävention weiter stärken und Fachkräfte unterstützen.
Nordrhein-Westfalen arbeitet bereits intensiv daran, Kinder bestmöglich zu schützen. Diesen Weg gehen wir weiter – sachlich, entschlossen und gemeinsam mit den Menschen, die jeden Tag Verantwortung für unsere Kinder tragen.
Denn wer Kinder schützen will, braucht keine Schlagzeilen, sondern Lösungen.
Und daran arbeitet die Landesregierung – jeden Tag.

Vielen Dank.

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