Christian Berger zu "Nein zur Bargeldabschaffung - auch scheibchenweise! Nein zur Bargeldobergrenze!"

08.12.2022

Sehr geehrte/r Herr Präsident/in,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,


Die AfD sorgt sich um das Bargeld und ihre Lösung ist ein Antrag, der mal wieder handwerklich und inhaltlich schlecht gearbeitet ist.

Ein paar Zitate von Politikern, ein Thema, das die Bundesländer nicht zu entscheiden haben, dazu ein paar Internetquellen bzw. Berichte mit Interpretationen nach eigenem Gusto. Das ist allenfalls etwas Seelenfutter für die eigenen Anhänger, mitnichten aber ein seriöser Antrag.

Schauen wir nur eine Aussage an:
Sie schlussfolgern, Bargeld sei das liebste Zahlungsmittel der Deutschen und beziehen sich u.a. auf einen Bericht der Bundesbank aus dem Jahr 2020.

Da haben wir schon einen handwerklichen Fehler, der Bericht ist alt und es gibt für 2021 bereits eine aktuelle Version.

Sie schreiben in ihrem Antrag, ich zitiere „nur 23 Prozent der Kunden griffen zur Girocard und anderen unbaren Zahlungsmitteln“. Das ist falsch, der von Ihnen genannte Wert ist nur der Anteil der Girocard, alle unbaren Zahlungsmittel ergeben 36 Prozent.

Sie betrachten dabei auch nur die Anzahl der Transaktionen und nicht das Geldvolumen – was ich inhaltlich bedenklich finde. Beim Geldvolumen liegt der Anteil der unbaren Zahlungsmitteln im Jahr 2020 bei rund 65 Prozent und im Jahr 2021 sogar bei 69 Prozent. Wenn ich Ihnen ein Arbeitszeugnis dafür schreiben müsste, stände da sowas drin wie „sie waren stets bemüht“.


Wenn es die große Sorge der AfD ist, zukünftig nicht mehr mit mehr als 10.000 Euro Bargeld durch die Straßen zu ziehen, dann zeigt das einmal mehr, wie weit weg Sie von den Problemen der Menschen in unserem Land sind.

Wie lehnen diesen Antrag ab. Vielen Dank.