Henning Rehbaum zu TOP 1 "Treibhausgasarmer Wasserstoff - Energieträger der Zukunft: NRW muss Chancen als Wasserstoff-Modellregion ergreifen"

12.02.2020

Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Das Thema Wasserstoff ist in aller Munde.
Um es schon zu Beginn dieser Rede klar zu sagen: Wir von CDU und FDP setzen auf Wasserstoff. Wir sind fest entschlossen, NRW zum Wasserstoffland No. 1 in Deutschland zu machen.

Die Chancen des Wasserstoffs für Klimaschutz, Wirtschaft und Arbeitsplätze in NRW liegen auf dem Silbertablett , und die NRW-Koalition hat sich bereits im Koalitionsvertrag 2017 zum Wasserstoff bekannt.

Es gibt drei große Anwendungsfelder für Wasserstoff:
Da ist zum einen die Mobilität: Während die Elektromobilität für kürzere, innerstädtische Strecken ihre Stärken ausspielen kann, ist Wasserstoff in Brennstoffzelle oder modifiziertem Otto-Motor für längere Strecken geeignet.

Der zweite Einsatzbereich für Wasserstoff ist die Stahlproduktion in NRW. Wenn man im Schmelzprozess Wasserstoff statt Kohlenstaub einbläst, lässt sich ein großer Teil des CO2s vermeiden. Die Stahlindustrie will ihre Produktion bis 2050 auf Wasserstoff umstellen. Die Landesregierung unterstützt diese Entwicklung mit In4Climate, am 11.11.2019 war Weltpremiere für Stahlproduktion mit Wasserstoff bei ThyssenKrupp. Wasserstoff in der Stahlproduktion: Das ist Klimaschutz made in NRW!

Als dritte große CO2-Senke durch Wasserstoffeinsatz positioniert sich die Chemieindustrie, eine der Leitindustrien in NRW. Zahlreiche heute kohlenstoffhaltige Grundstoffe können bis 2050 durch Wasserstoff ersetzt werden, sodass auch die Chemieindustrie in NRW einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnte.

NRW hat gute Voraussetzungen. Air Liquide betreibt hier das größte Wasserstoffnetz Deutschlands. Shell in Wesseling errichtet den größten Elektrolyseur Deutschlands. Wasserstoff ist Teil der Energieversorgungsstrategie der Landesregierung, die NRW-Wasserstoff-Roadmap ist in Arbeit.
Dabei steht - anders als in den nördlichen Bundesländern nicht die Produktion des Gases im Mittelpunkt, sondern die klimafreundliche Nutzung von Wasserstoff und die Produktion von Wasserstofftechnik.

Wasserstofftechnik entwickeln, marktreif machen, industriell fertigen, weltweit exportieren, in Arbeitsplätze ummünzen: Das ist Klimaschutz made in NRW!

Verkehr, Stahl und Chemie werden Wasserstoff in großen Mengen benötigen. Dazu müssen die Unternehmen JETZT Milliarden-Investitionen auf den Weg bringen, um auf Wasserstoff umzurüsten. Ohne Fördermittel, etwa aus dem Green Deal der EU-Kommission, wird es nicht gehen. Aber auch die Unternehmen selber müssen investieren. Doch wer Milliarden in die Wasserstoff-Umrüstung investiert, braucht auch die Sicherheit, dass dann genügend Wasserstoff zur Verfügung steht, um die  neuen Anlagen wirtschaftlich auslasten zu können.

Dazu werden wir als Brücke auf blauen Wasserstoff zurückgreifen müssen, der nach und nach durch Grünen Wasserstoff ersetzt wird.

Das Ziel ist klar: Um Wasserstoff als wirksamen Beitrag zum Klimaschutz einzusetzen, muss er auf die Dauer regenerativ hergestellt sein. Das fängt vor der eigenen Haustür an.

Es ist absurd, Windstrom bei Überangebot ins Ausland zu verschenken oder Windräder aus dem Netz zu nehmen. Phantomstrom mit Millionenbeträgen zu vergüten - das ist geradezu verrückt! Mit diesem Wahnsinn muss endlich Schluss sein - wir sollten endlich aus überschüssigem Windstrom Wasserstoff herstellen!

Klar ist: die Fläche Deutschlands ist zu klein, um vor Ort genügend grünen Wasserstoff zu erzeugen. Die heutige Stromproduktion in Deutschland beträgt 600 Terawatt, der Energiebedarf für die erforderliche Wasserstoffproduktion für Stahl, Chemie und Mobiliät beträgt zusätzlich rund 700 Terawatt.

Wir müssen uns ehrlich machen: Selbst wenn wir auf jeden Kirmesplatz ein Windrad bauen, werden wir Wasserstoff aus dem Ausland benötigen.

Wasserstoff könnte man hervorragend in Nordafrika erzeugen. Dazu braucht es Abkommen mit der EU, die Transportfrage muss geklärt werden, und: im deutschen Energierecht muss Wasserstoff als Energieträger eingestuft werden, um Klarheit für die Pipelinebetreiber zu schaffen.

Fazit: NRW soll Wasserstoffstandort Nr. 1 werden, und es braucht schnell verlässliche Wasserstoffmengen, damit in die Umrüstung von Industrieanlagen und in Fuhrparks investiert werden kann.

Und weil wir gestern zusammen Karneval gefeiert haben, sag ich’s in Reimform:

Ist zu wenig Wasserstoff in Sicht, rechnet sich der Umbau nicht.
Ist reichlich Wasserstoff lieferbar, rechnet sich der Umbau - sonnenklar.

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