
Sehr geehrter Herr Präsident / sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete,
die Situation der Landestheater ist herausfordernd. Die finanzielle Lage ist schwierig und für die betroffenen Menschen bedrückend. Diese Herausforderung erkennen wir und da gibt es nichts zu beschönigen.
Die vier Landestheater in Castrop-Rauxel, Detmold, Dinslaken und Neuss haben einen festen Platz im kulturellen Angebot Nordrhein-Westfalens.
Anders als rein stationäre Theater-Spielstätten reisen diese Ensembles auch durch das ganze Land. Sie bieten Theaterkultur insbesondere auch in den Landesteilen an, die nicht über eigene Theaterensembles vor Ort verfügen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch die drei Landesorchester nennen, die in ähnlicher Art kulturell unterwegs sind und mit denselben Herausforderungen zu kämpfen haben. Erst gestern hatte ich gemeinsam mit Kollegen meiner Fraktion einen guten Austausch mit den Verantwortlichen der Südwestfälischen Philharmonie.
Als Abgeordneter aus dem ländlichen Raum und Vorsitzender des Kulturausschusses meiner Heimatstadt, kann ich die kulturelle Aktivität der Landestheater und Landesorchester nur begrüßen.
Gerade für Regionen abseits der großen Städte sind die Angebote der Landestheater und -orchester von hohem Wert.
Die Kultur in meiner sauerländischen Heimat lebt insbesondere vom Engagement ehrenamtlicher Akteure. Im Ehrenamt – ohne umfangreiche öffentliche Unterstützung, ohne außerordentlich zahlungskräftige Mäzene, aber mit Hilfe von vielen, kleinen Gönnern und Sponsoren, wird Großartiges geleistet.
Dies ist ein kultureller Hochgenuss für alle Menschen. Für alle Generationen und insbesondere auch bezahlbar für unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen.
Ich möchte bespielhaft die ehrenamtlichen Theatervereine nennen. Den Balver Festspielverein aus meinem Wahlkreis, der in diesem Jahr wieder tausende von Kindern bei insgesamt 17 Aufführungen des Musicals Dschungelbuch in der Balver Höhle begeisterte.
Oder die vier Theatervereine meiner Heimatstadt Menden, die eigene Spielstätten betreiben - liebevoll gestaltete, kleine Theater, die ehrenamtlich unterhalten werden. Ich nenne das: Theaterkunst mit und für alle Generationen.
Die ehrenamtliche Kultur wird vielerorts durch die Gastspiele der Ensembles der Landestheater mit ihren kulturellen Highlights ergänzt. Diese sind eine großartige Bereicherung für den ländlichen Raum. Kultur abseits der Metropolen – in kleinen und mittelgroßen Städten und für alle zugänglich. Auch dieses Angebot schafft Vielfalt und bereichert unsere Kulturlandschaft.
Die vier Landestheater befinden sich nicht in Trägerschaft des Landes – auch wenn die Bezeichnung dies vielleicht suggeriert. Träger und Gesellschafter sind Städte und Kreise – in unterschiedlichsten Konstellationen.
Trotzdem finanziert das Land nahezu 50 Prozent der Budgets – mit stetigen Aufwüchsen insbesondere auch in den Jahren 2022 und 2023. Es darf deswegen auch nicht alleine vom Land erwartet werden, dass Mehrkosten – insbesondere erzeugt durch Tarifsteigerungen, ausschließlich durch das Land aufgefangen werden.
Träger und Gesellschafter – die beteiligten Körperschaften, sind ebenfalls gefordert.
Meine Damen und Herren,
die Gesamtwirtschaftliche Lage ist uns allen bekannt. Wir befinden uns bereits im dritten Jahr der Rezession – Steuereinnahmen bleiben aus, gleichzeitig steigen Kosten durch externe Effekte.
Und deshalb ist hier ein gemeinsamer Kraftakt gefordert! Und diesen können wir nur unter Beteiligung aller Akteure bewältigen!
Wir begrüßen es sehr, dass auf Initiative von Ministerin Ina Brandes eine Studie zur Zukunft der Landestheater und Landesorchester erarbeitet werden soll. Dies ist der richtige Weg:
Analysieren und auf den Prüfstand stellen. Hinterfragen und neue, kreative und auch pragmatische Lösungen entwickeln.
Ich wünsche mir dabei keine Denkverbote, sondern eine ehrliche Analyse und kritische Überprüfung von Strukturen, von Trägermodellen und auch von weiteren Kooperationsmodellen für die Landestheater und Landesorchester.
Gerade in der ehrenamtlichen Kulturarbeit steckt enormes Potential zur Kooperation. Und auch in der kulturellen Bildung.
Meine Damen und Herren,
der Überweisung an den Ausschuss für Kultur und Medien stimmen wir zu! Lassen Sie uns gemeinsam eine gute Zukunft für die Landestheater und Landesorchester gestalten!
Herzlichen Dank!
Empfehlen Sie uns!