Stephan Wolters zu TOP 15 "Wolfsland NRW: Weidetierhalter brauchen noch immer finanzielle Unterstützung"

10.07.2025

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen ist ein sensibles Thema, das viele Menschen im ländlichen Raum bewegt – insbesondere unsere Weidetierhalter. Sie leiden unter wirtschaftlichem Druck, emotionalem Stress und wachsender gesellschaftlicher Unsicherheit. Diese Sorgen nehmen wir sehr ernst – und wir begegnen ihnen mit konkretem Handeln und fundierten Vorschlägen.

Was wir jedoch nicht akzeptieren können, ist der Versuch der SPD-Fraktion, mit diesem Antrag die Verantwortung vollständig auf das Land NRW abzuwälzen – und gleichzeitig durch ihren Entschließungsantrag den Eindruck zu erwecken, man sei der ruhige, vermittelnde Akteur in dieser Debatte.

Zur Erinnerung: Die SPD verkündet in der Presse, man wolle gemeinsam einen Antrag erarbeiten – die offizielle Anfrage an uns folgt dann drei Tage später.

Dabei liegen die eigentlichen Stellschrauben nicht allein beim Land, sondern zuallererst auf europäischer und bundespolitischer Ebene:

Im Bund lag das zuständige Bundesumweltministerium über Jahre hinweg in SPD-Hand – unter anderem unter Svenja Schulze und Barbara Hendricks.  Zuletzt erneut seit Mai 2025 mit Carsten Schneider als Minister.

Erst mit veränderten Mehrheiten in der EU kam Bewegung in die Sache – zuvor hatte die sozialdemokratisch geprägte Kommission jede Absenkung des Schutzstatus blockiert – insbesondere durch den Vizepräsidenten Frans Timmermans. Ergebnis: Ab dem 14.Juli 2025 wird der Wolf in der FFH-Richtlinie im Anhang V als geschützt Art gelistet und nicht mehr wie bisher im Anhang IV (streng geschützt).

Und hier kommt der eigentliche Widerspruch der SPD ins Spiel:
Die SPD forderte 2023 in ihrem Ursprungsantrag noch klar: „Streng geschützt – ohne Wenn und Aber.“ Zwei Jahre später lobt sie die Bewegung auf EU- und Bundesebene – dabei waren es SPD-geführte Ministerien und Kommissionen in Berlin beziehungsweise Brüssel, die genau das jahrelang blockiert haben. Wer heute den Kurswechsel feiert, sollte auch ehrlich sagen, wer ihn vorher verhindert hat – und nicht hier in Düsseldorf den moralischen Zeigefinger heben.

CDU und Grüne haben konkrete Anträge mit den Drucksachen 18/11333 und 18/14336 eingebracht und im Ausschuss bereits beschlossen. Diese enthalten zahlreiche praxisnahe Maßnahmen, die den Menschen vor Ort helfen.

Wir haben beispielsweise beschlossen:

• die Förderkulisse für Herdenschutzmaßnahmen künftig auf ganz Nordrhein-Westfalen auszuweiten,


• die Antragstellung für Herdenschutzmaßnahmen zu vereinfachen. Denn der beste Schutz nützt nichts, wenn er an der Bürokratie scheitert,


• sicherzustellen, dass Wolfsrisse künftig auch telefonisch gemeldet werden können – und die Rissbegutachtung zügig erfolgt.


• die Jägerschaft in das Wolfsmonitoring eingebunden wird, denn die Jäger sind flächendeckend präsent, qualifiziert und staatlich geprüft. Wer das wie die SPD als kosmetische Ergänzung abtut, verkennt die Lage.

Das ist der Unterschied: Wir machen Politik mit Substanz – andere verschicken Infobriefe.

Wir sagen auch klar: Herdenschutzmaßnahmen sind wichtig – aber nicht die alleinige Lösung.

Im Mittelgebirge, so bestätigte selbst der von der SPD eingeladene Sachverständige Herr Darscheid, sind die baulichen Anforderungen an Zäune schlicht nicht umsetzbar. Und Herdenschutzhunde sind teuer, aufwendig und nur für Berufsschäfer eine Option.

Weidetierhaltung ist essenziell – für die Offenhaltung der Kulturlandschaft, für den Naturschutz in Eifel, Sieger- und Sauerland und für den Deichschutz am Niederrhein, um nur einige Beispiele zu nennen.

Unser Ziel ist klar:
Ein ambitioniertes Wolfsmanagement, das Prävention, zügige Rissbegutachtung und rechtssichere Entnahme kombiniert. Das ist im Sinne des Artenschutzes, des Tierschutzes – und vor allem: im Sinne der Weidetierhalter.

Der SPD-Antrag hingegen – wie auch der dazugehörige Entschließungsantrag –
verkennt die realen Zuständigkeiten, ignoriert die eigenen politischen Versäumnisse auf EU- und Bundesebene und wiederholt in Teilen Forderungen, die schon in Umsetzung sind.

Abschließend noch ein Wort zum heute eingereichten Entschließungsantrag der FDP: Auch Sie haben wieder einen großen Teil von Punkten aufgelistet, die in unserem Antrag am 18.06.2025 beschlossen wurden.
Ich freue mich, dass Sie damit unserem Beschluss zustimmen. Dafür benötigen wir allerdings keinen neuen Entschließungsantrag.

Deshalb lehnen wir diese Anträge ab.

Vielen Dank.

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