Anke Fuchs-Dreisbach zu TOP 10 „Bessere Versorgung und schnellere Diagnose: Wie Lipödem-Betroffenen in NRW geholfen werden kann“

29.01.2026

Sehr geehrte Frau Präsidentin / sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute sprechen wir über ein Krankheitsbild, das viel zu lange verkannt wurde.

Das Lipödem! Ca. 4 Mio. Menschen, überwiegend Frauen, leiden mit dieser Erkrankung nicht nur unter körperlichen Schmerzen oder der seelischen Belastung, sondern kämpfen häufig auch einen jahrelangen zermürbenden Kampf um Anerkennung im Gesundheitssystem.

Heute können wir festhalten, dass sich dieser Kampf in einem entscheidenden Punkt gelohnt hat.

Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses aus Juli 2025 ist ein wirklicher Meilenstein.

Seit dem 01. Januar 2026 ist die operativ durchgeführte Liposuktion auf Grundlage der Ergebnisse der LIPLEG-Studie eine reguläre Kassenleistung,
unabhängig vom Stadium der Erkrankung.

Damit wurde eine lange Hängepartie beendet und sichergestellt, dass eine wirksame Therapie nicht mehr von der finanziellen Lange der Betroffenen abhängt.
Maßgeblich ist nun allein die medizinische Notwendigkeit.

Vor diesem Hintergrund stelle ich nun fest, dass die zentrale Forderung des SPD-Antrags, durch das Handeln auf Bundesebene bereits Realität und damit überholt ist.

Aber Finanzierung allein macht noch keine gute Versorgung aus.

Diese beginnt nicht erst im Operationssaal, sondern mit einer möglichst frühen Diagnose,
der richtigen Einordnung und einem respektvollen Umgang mit den Betroffenen.

Gleichzeitig erleben wir einen erfreulichen gesundheitspolitischen Wandel.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin vor wenigen Tagen, zum Förderschwerpunkt erklärt.

Ihr Ministerium stellt dafür jährlich erhebliche Mittel bereit.
Sie hat deutlich gemacht, dass geschlechtersensible Gesundheitsforschung kein Randthema bleiben darf.

Wichtig ist dabei, mehr über medizinische und klinische Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erfahren.

Das ist ein wirklich starkes Signal, denn genau das beschriebene Wissensdefizit erleben Lipödem- Betroffene seit Jahren, wenn Beschwerden nicht ernst genommen und Diagnosen verzögert werden.

Deshalb greift Ihr Antrag so nicht. 
Er wiederholt Forderungen, die entweder bereits geregelt sind oder nicht in der Zuständigkeit des Landes liegen.

Die Inhalte der ärztlichen Ausbildung sind bundeseinheitlich geregelt. Gefäßerkrankungen gehören zum Prüfungsstoff, Spezialisierungen können vertieft werden.

Auch in der ärztlichen Fortbildung ist das Lipödem in relevanten Fachgebieten längst Thema.
Die Ausgestaltung von Weiterbildungen liegt in Selbstverwaltung der Heilberufskammern.

Das Krankheitsbild Lipödem erfordert ein interprofessionelles Vorgehen. Zentrale Therapiebausteine sind fester Bestandteil der physiotherapeutischen und pflegerischen Ausbildung.
Auch der Medizinische Dienst schult seine spezialisierten Gutachter regelmäßig auf Basis aktueller Leitlinien.

Ihre Zweifel an der fachlichen Kompetenz des MD helfen hier nicht weiter.

Die Diagnosestellung bleibt ärztliche Aufgabe, politische Steuerung einzelner Diagnosen ist somit weder möglich noch sinnvoll.

Die wirklich entscheidenden Maßnahmen liegen deshalb an anderer Stelle.
Fortbildung, vor allem in der Differenzialdiagnostik, muss weiter gestärkt werden, damit Lipödem, Adipositas und Lymphödem sicher unterschieden werden können.

Wir müssen spezialisierte Versorgungsnetzwerke fördern, Qualitätsstandards voranbringen und die Zusammenarbeit der Berufsgruppen verbessern.

Ebenso ist es essenziell, konservative und medikamentöse Therapieansätze weiter wissenschaftlich zu erforschen.

Ein Heilmittel für Lipödem- Erkrankung gibt es bislang nicht.

Die Liposuktion ist derzeit der medizinisch wirksamste Weg in Kombination mit Lymphdrainage und Kompressionstherapie.

Es geht darum, verlässliche Strukturen zu schaffen, die Patienten Sicherheit geben und helfen.

Die Kostenübernahme für Liposuktion ist also gelungen.
Jetzt muss es unsere Aufgabe sein, weitere Fortschritte in eine bessere Versorgung münden zu lassen.

Wir lehnen Ihren Antrag ab.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.