Anke Fuchs-Dreisbach zu TOP 13 „Zukunftsfähige Arbeit in NRW. Fachkräftesicherung mit Konzept – Struktur statt kurzfristiger Symbolpolitik“

18.03.2026

Sehr geehrte Frau Präsidentin / sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich immer sehr über Anträge, die sich mit der Stärkung der beruflichen Bildung und der Begleitung junger Menschen auf
ihrem Weg in Ausbildung und Beruf befassen. – Denn das ist ein wichtiges Themenfeld!
Doch hierbei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Denn es geht auch um Respekt und
Wertschätzung, die wir bestimmten Berufsgruppen im Alltag entgegenbringen, damit sich Menschen bewusst für einen
Berufsweg entscheiden.
Bundespolitisch wurden in den letzten Jahren einige wichtige Schritte unternommen, um die Gleichwertigkeit von beruflicher
und akademischer Bildung stärker sichtbar zu machen. 
Mit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz, welches seit 2020 in Krafft ist, wurden erstmals bundesweit einheitliche
Fortbildungsstufen eingeführt. Darunter der Titel „Bachelor Professional“ für höherqualifizierende Abschlüsse wie den
Meister oder den Fachwirt.
Ziel dieser Reform war es, berufliche Aufstiegsfortbildungen klarer einzuordnen,
international verständlicher zu machen und damit auch die Attraktivität beruflicher Karrierewege zu stärken.
Wie ich finde, ist dies ein wichtiger Baustein im gemeinsamen Bemühen um die Fachkräftesicherung.
Doch auch in Nordrhein-Westfahlen strengen wir uns diesbezüglich an.
Bereits im Herbst 2022 haben wir mit der Arbeits- und Fachkräfteoffensive bereits vielseitige Maßnahmen zur
beruflichen Bildung und gegen den Fachkräftemangel eingeleitet.
Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass nicht alle Arbeitsplätze deutschlandweit gleich gut
besetzt werden können. 
In Pflege- und Gesundheitsberufen, handwerklichen Spezialberufen, in der IT, bei Berufskraftfahrern, aber auch für
Erzieher und für Köche stehen besonders viele freie Arbeitsplätze zur Verfügung.
Dies verdeutlicht die hohe Bedeutung gezielter Maßnahmen zur Fachkräftesicherung, insbesondere in den genannten
Engpassberufen.
Zugleich zeigt die Analyse aber auch: 
Wir sind auf dem richtigen Weg.
Die Zahl der Engpassberufe ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken.
Kern des vorliegenden AfD-Antrags ist der Vorwurf, die Landesregierung betreibe nur kurzfristige Programme und es
fehle an Ernsthaftigkeit bei der Problemlösung zur Fachkräftesicherung.
Dieses im Antrag gezeichnete Bild entspricht nicht der Realität.
Nordrhein-Westfalen hat mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ein leistungsfähiges und bundesweit anerkanntes
Übergangssystem geschaffen. Bereits ab Klasse acht erhalten Schülerinnen und Schüler verbindliche Potenzialanalysen.
Darauf folgen Berufsfelderkundungen und Praktika, die fundierte Entscheidungen ermöglichen.
Kommunale Koordinierungsstellen vernetzen Schulen, Betriebe, Kammern und Träger. Diese sorgen dafür, dass Angebote
aufeinander abgestimmt, erreichbar und regional passend sind.
In den Jahrgangsstufen neun und zehn vermitteln Praxiskurse vertiefende Einblicke in betriebliche Abläufe, fördern Fach- bzw.
Sozialkompetenzen und tragen gezielt zur Reduzierung von Ausbildungsabbrüchen bei.
Auch inklusive Angebote wie „KAoA STAR“ unterstützen Jugendliche mit Behinderungen beim Übergang in den
allgemeinen Arbeitsmarkt. Zudem helfen ergänzend Berufseinstiegsbegleitung und das Werkstattjahr jungen
Menschen, die besondere Unterstützung benötigen.
Digitale Angebote wie die Berufswahlapp ergänzen die Berufsorientierung zeitgemäß und ermöglichen selbstständige
und reflektierte Entscheidungen.
Diese Maßnahmen sind Teil der Fachkräfteoffensive NRW, zu der über 60 Maßnahmen gehören, die für eine erfolgreiche Bildungs-und Erwerbsbiografie sorgen.
Erste Erfolge, etwa bei der Vermittlung durch Jobcenter oder der Inklusionsinitiative, zeigen, dass koordinierte
Fachkräftesicherung wirkt.
Wir verfolgen in NRW ein strukturiertes, modernes und inklusives System der Berufsorientierung, das früh ansetzt, systematisch
begleitet und einfache Übergänge von Ausbildung in Beruf ermöglicht.
Meine Damen und Herren, wir werden den eingeschlagenen Weg zur Fachkräftesicherung beibehalten und lehnen daher den Antrag der AFD ab.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.