Marco Schmitz zu TOP 1 "32.809 junge Menschen ohne Berufsperspektive – Was tut die Landesregierung, um jungen Menschen eine Anschlussperspektive zu geben?"

07.05.2026

Sehr geehrte Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
wer heute über junge Menschen ohne Anschlussperspektive spricht, spricht nicht über eine bloße Zahl. Er spricht über Lebenswege. Über Chancen. Über Familien, die sich Sorgen machen. Über Betriebe, die dringend Nachwuchs suchen. Und über junge Menschen, die Unterstützung brauchen, damit aus Unsicherheit eine echte Perspektive wird.

Ja, die Zahlen sind ernst. Aber sie zeigen auch: Nordrhein-Westfalen schaut genauer hin. Seit der Datenübermittlung an die Bundesagentur für Arbeit werden junge Menschen ohne Anschlussperspektive besser sichtbar. Das ist ein wichtiger Fortschritt.

Denn wer jungen Menschen helfen will, muss sie zuerst sehen. Genau das tun wir.

Niemand darf nach der Schule einfach aus dem Blick geraten. Niemand darf allein gelassen werden, nur weil der Weg in Ausbildung oder Beruf noch nicht klar ist. Deshalb ist es richtig, dass Schulen, Berufsberatung, Kommunen und Land enger zusammenarbeiten.

Die SPD macht daraus den Vorwurf, die Landesregierung habe den Übergang von Schule in Ausbildung oder Beruf nicht im Griff. Das ist mir zu schlicht. Dieses Problem ist nicht über Nacht entstanden. Die Ursachen liegen tiefer. Sie haben mit Bildungserfolg zu tun, mit Sprache, mit familiären Belastungen, mit Motivation, mit Berufsorientierung und manchmal auch mit fehlendem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Zugleich erleben wir eine widersprüchliche Lage: Auf der einen Seite suchen Betriebe Auszubildende. Auf der anderen Seite finden junge Menschen keinen direkten Weg in Ausbildung. Das zeigt: Es fehlt nicht an Bedarf. Es fehlt oft daran, dass junge Menschen und konkrete Chancen rechtzeitig und passend zusammenkommen.

Genau daran arbeitet Nordrhein-Westfalen. Und zwar nicht mit einem einzelnen Programm, sondern mit einem breiten Bündel an Maßnahmen.

Mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ haben wir eine Landesinitiative, die früh ansetzt. Berufsorientierung beginnt nicht erst am Ende der Schulzeit. Sie beginnt ab Klasse 8. Junge Menschen sollen ihre Stärken erkennen, Berufsfelder kennenlernen, Praktika machen und früh mit Betrieben in Kontakt kommen.
Das ist der richtige Ansatz. Unser Ziel ist klar: Kein junger Mensch darf nach der Schule verloren gehen.

Dazu kommt: Das Land setzt erhebliche Mittel für berufliche Orientierung, den Übergang in Ausbildung, Bildungszentren, überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und weitere Ausbildungsförderung ein. Das ist ein starkes Signal.

Herr Präsident
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Unterschied zwischen Ihnen und uns ist doch ganz klar:
Die SPD beschreibt ein Problem.
Die Koalition und die Landesregierung arbeiten an Lösungen.

Konkret heißt das: KAoA wird weitergeführt und weiterentwickelt. Die Berufseinstiegsbegleitung unterstützt junge Menschen, die auf dem Weg in Ausbildung zusätzliche Hilfe brauchen. Ausbildungswege NRW bringt junge Menschen und Betriebe zusammen. Coaches und Übergangslotsen begleiten beim Einstieg. Das Werkstattjahr bietet jungen Menschen ohne direkten Ausbildungsplatz berufliche Qualifizierung und Praxis. Die Teilzeitberufsausbildung eröffnet Chancen für Menschen mit Familienverantwortung. KAoA STAR unterstützt Jugendliche mit Behinderung oder sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf.
Hinzu kommen Investitionen in Bildungszentren und überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. Gerade kleine und mittlere Betriebe profitieren davon, wenn Ausbildung praktisch unterstützt und qualitativ gestärkt wird. Auch die Meisterprämie im Handwerk und die gezielte Unterstützung für Auszubildende mit Behinderungen gehören zu diesem Gesamtbild.

Das zeigt: Wir reden nicht nur über Übergänge. Wir gestalten sie.

Wichtig ist dabei auch: Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist die beste Brücke in ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb stärken wir berufliche Orientierung, praktische Erprobung und persönliche Begleitung. Junge Menschen sollen nicht nur beraten werden. Sie sollen erleben, was sie können. Sie sollen Betriebe kennenlernen. Sie sollen Berufe ausprobieren. Sie sollen merken: Meine Fähigkeiten werden gebraucht.

Wir als CDU-Fraktion reden darüber nicht nur abstrakt. Wir haben uns noch vor zwei Wochen im Arbeitskreis mit Torsten Withake, dem Geschäftsführer der G.I.B., ausgetauscht. Dabei wurde deutlich: Die G.I.B. ist in diesem Bereich sehr aktiv. Sie begleitet praktische Ansätze, unterstützt die Umsetzung und macht sichtbar, was vor Ort funktioniert.

Auch digitale Instrumente können dabei helfen. Die berufswahlapp ist ein Beispiel dafür, wie Berufsorientierung näher an die Lebenswirklichkeit junger Menschen gebracht werden kann. Aber sie ist eben nur ein Baustein. Entscheidend ist das Gesamtbild: frühe Orientierung, persönliche Beratung, praktische Erfahrung, Begleitung beim Übergang und Unterstützung der Betriebe.

Natürlich müssen Programme regelmäßig überprüft werden. Kommen sie bei den Richtigen an. Erreichen sie auch Eltern. Sind Praktika und Berufsfelderkundungen praxisnah genug. Gibt es Nachsteuerungsbedarf. Diese Fragen müssen wir stellen. Gute Politik bedeutet nicht, Programme nur zu verteidigen. Gute Politik bedeutet, sie weiterzuentwickeln.

Aber wir sollten nicht so tun, als würde das Land nichts tun. Das Gegenteil ist der Fall. Durch die Datenübermittlung wird genauer hingeschaut. Durch KAoA wird früh orientiert. Durch Ausbildungswege NRW, Berufseinstiegsbegleitung, Werkstattjahr und Übergangslotsen wird begleitet. Durch Investitionen in Bildungszentren und überbetriebliche Lehrlingsunterweisung wird Ausbildung gestärkt.

Jede junge Frau und jeder junge Mann ohne Perspektive ist einer zu viel. Deshalb schauen wir genauer hin, beraten früher und begleiten gezielter.

Unser Anspruch ist klar: Ausbildung ist kein Plan B. Ausbildung ist für viele junge Menschen der beste Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben. Berufliche Bildung verdient die gleiche Wertschätzung wie akademische Bildung. Dafür brauchen wir Schulen, die beide Wege gleichwertig darstellen. Dafür brauchen wir Betriebe, die jungen Menschen Chancen geben. Und dafür brauchen wir junge Menschen, die erleben: Ich werde gebraucht.

Nordrhein-Westfalen braucht jeden jungen Menschen. Unsere Betriebe brauchen Fachkräfte. Unsere sozialen Einrichtungen brauchen Nachwuchs. Deshalb werden wir weiter daran arbeiten, Übergänge verbindlicher zu machen, berufliche Bildung zu stärken und jungen Menschen echte Chancen zu eröffnen.

Vielen Dank.

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