Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
Pflege ist eine der persönlichsten und zugleich gesellschaftlich wichtigsten Aufgaben, die es gibt.
Ich glaube, fast jede und jeder von uns kennt jemanden, der gepflegt wird. Viele kennen die Situation aus der eigenen Familie.
Und damit kennen wir die Herausforderungen, die mit Pflege verbunden sind: die Sorge um den Gesundheitszustand, die organisatorische Last, die Abstimmung zwischen Pflege, ärztlicher Versorgung und den Angehörigen.
Der Einsatz für Personen, die gepflegt werden müssen, ist immens wertvoll und aufopferungsvoll.
Er verdient Respekt und braucht Unterstützung.
Genau da setzt unser Antrag an.
Die Versorgungsrealität in vielen Pflegeeinrichtungen und Hausarztpraxen zeigt:
• Medizinische Informationen laufen häufig immer noch telefonisch oder papierbasiert.
• Befunde, Medikationsänderungen, Beobachtungen aus der Pflege erreichen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte oft verspätet oder unvollständig – und umgekehrt genauso.
Studien zeigen, dass Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen durchschnittlich etwa 1,7 mal pro Jahr in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Ein relevanter Anteil dieser Einweisungen wäre vermeidbar.
Diese Situation ist aus mehreren Gründen problematisch.
1. Für die Betroffenen
Denn jede Krankenhauseinweisung bedeutet Stress. Damit verbunden sein können auch Desorientierung und erhöhte Risiken – gerade bei Menschen im hohen Alter, mit Demenz oder anderen schweren Grunderkrankungen.
2. Für die Pflegekräfte
Nicht notwendige Krankenhauseinweisungen bedeuten zusätzlichen Aufwand und Zeitverlust für andere Aufgaben. Personal muss Transporte organisieren, Berichte zusammenstellen, in Kliniken nachfragen, bei der Rückkehr die Abstimmung wieder neu aufnehmen. All das kostet Zeit, die in der direkten Betreuung woanders fehlt. Gleichzeitig leiden auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unter Bruchstellen in der Kommunikation.
3. Für unser Gesundheitssystem
Jede vermeidbare Einweisung bindet Ressourcen – z.B. Rettungswagen, Notaufnahmen, Betten und Pflegepersonal. Bessere Kommunikation kann auch zur Funktionsfähigkeit in den Einrichtungen beitragen.
Die politische Schlussfolgerung ist damit klar:
Wer eine qualitativ gute Versorgung will,
wer ernsthaft über Entlastung in der Pflege spricht,
der muss auch an den Schnittstellen, an den Prozessen und an der Kommunikation ansetzen.
Digitale Lösungen sind dabei ein Teil der Antwort.
Digitale Kommunikationswege können helfen, medizinische Informationen strukturiert, schnell und sicher zu übermitteln.
Wir wollen dieses Potenzial nutzen.
Unser Antrag verfolgt damit zwei zentrale Ziele:
1. Die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen zu verbessern – durch verlässliche, digitale Informationswege und differenziertere Entscheidungen über Krankenhauseinweisungen.
2. Pflegekräfte und Hausärztinnen sowie Hausärzte zu entlasten – indem wir Prozesse klären und digital unterstützen.
Mit dem vorliegenden Antrag machen wir einen konkreten Schritt, um Pflege in Nordrhein-Westfalen zu stärken – nicht abstrakt, sondern ganz praktisch. Wir nutzen die Chancen der Digitalisierung dort, wo sie Menschen unmittelbar hilft: den Pflegebedürftigen, den Pflegenden, den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und den Angehörigen.
Ein wichtiger Schritt hin zu mehr Qualität und Sicherheit in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen sind:
- Einrichten von Versorgungstandems aus Pflegeeinrichtungen und Hausarztpraxen
- die technische Telematikinfrastruktur stärken
- geeignete Fort- und Weiterbildungsangebote
- pflegende Angehörige sowie ihre Interessenvertretungen in die Optimierung der digitalen Versorgungsprozesse einbeziehen.
Wer gute Versorgung, Entlastung in der Pflege und ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem will, der muss digitale Versorgungsprozesse zwischen Pflegeeinrichtungen und Hausarztpraxen stärken.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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