Daniel Hagemeier zu TOP 15 "Kurze Wege in Arbeit: Vernetzte Unterstützung am Arbeitsmarkt stärken"

17.09.2026

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

stellen Sie sich vor:

Junge Menschen suchen einen Ausbildungsplatz.
Viele möchten sich beruflich neu orientieren.
Oder nach einer Krankheit wieder in den Beruf zurückkehren.

Dann brauchen Sie verlässliche Informationen, kompetente Ansprechpartner, schnelle unbürokratische Wege und Beratungsangebote.

Nordrhein-Westfalen verfügt deshalb über viele gute Beratungsangebote.

Bei den Agenturen für Arbeit, den Jobcentern und Kommunen. Bei Kammern, Rentenversicherung, Integrationsfachdiensten, Bildungsträgern und Beratungsstellen.

Die Kompetenz ist also vorhanden. Sie kommt aber nicht immer dort zusammen, wo sie gebraucht wird.

- Wer Unterstützung sucht, muss deshalb häufig mehrere Termine vereinbaren.

- Die eigene Geschichte immer wieder von vorne erzählen.

- Unterlagen mehrfach einreichen.

- Und zunächst herausfinden, wer überhaupt zuständig ist.

Das gilt auch für Unternehmen.

Wer Fachkräfte sucht, Beschäftigte qualifizieren oder Menschen den Einstieg in Arbeit ermöglichen möchte, braucht deshalb klare Ansprechpartner und schnelle Entscheidungen.

Genau hier, liebe Kolleginnen und Kollegen, setzt unser Antrag an.

Wir wollen gute Beratung noch besser machen.

Und zwar indem wir die vorhandene Kompetenz besser miteinander verbinden.

Deshalb müssen wir heute die Weichen für die vernetzte hybride Beratung stellen.

Dabei bleibt die persönliche Beratung vor Ort erhalten.

Wenn dabei eine weitere Fachstelle gebraucht wird, kann sie direkt digital zugeschaltet werden.

Ich will Ihnen gerne ein Beispiel mitten aus dem Leben nennen:

Nehmen wir einen Menschen, der nach einer schweren Erkrankung wieder arbeiten möchte.

Im Beratungsgespräch entstehen Fragen zur beruflichen Rehabilitation.

Dann muss nicht erst ein neuer Termin bei einer anderen Stelle gesucht werden.

Die Rentenversicherung oder ein Reha-Träger kann unmittelbar dazugeschaltet werden.

Das Ergebnis ist:

Die Beteiligten sprechen miteinander.
Fragen werden direkt geklärt.
Und am Ende steht ein konkreter nächster Schritt.

Das spart Zeit.
Unnötige Wege werden vermieden.
Und es gibt den Menschen Sicherheit.

Dieses Modell wurde in der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster entwickelt.

Inzwischen wird es innerhalb der Bundesagentur für Arbeit Schritt für Schritt ausgeweitet.

Auch die Kommission zur Sozialstaatsreform empfiehlt ausdrücklich, diese Form der Beratung stärker zu nutzen.


Meine Damen und Herren,
ich bin davon überzeugt:

darin liegt eine große Chance für Nordrhein-Westfalen.

Bei uns arbeiten die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kommunen, Kammern, Sozialpartner, Wohlfahrtsverbände, Bildungsträger und viele weitere Akteure bereits eng zusammen.

Wir müssen also nicht bei null anfangen.

Im Gegenteil:  Wir können auf guten Strukturen aufbauen.
Und wir können dafür sorgen, dass aus vielen guten Angeboten ein verlässliches Beratungsnetz wird.

Besonders wichtig ist das für Menschen, die mehr Unterstützung benötigen.

Wer mit einer Behinderung, gesundheitlichen Einschränkungen oder schwierigen sozialen Bedingungen lebt, trifft häufig auf besonders viele Zuständigkeiten.

Gerade dann darf Hilfe nicht an Schnittstellen verloren gehen.

- Die vernetzte Beratung kann Fördermöglichkeiten schneller klären.

- Sie kann Übergänge in Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung besser begleiten.

- Und sie kann dazu beitragen, dass Menschen ihre Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt einbringen können.

Das ist gut für die Betroffenen.
Und es ist gut für unseren Arbeitsmarkt.

Wichtig bleibt dabei:

Digitale Technik ersetzt nicht das persönliche Gespräch.
Sie unterstützt es.
Sie sorgt dafür, dass die richtige Fachkenntnis im entscheidenden Moment verfügbar ist.

Nicht der Mensch soll von Stelle zu Stelle geschickt werden.
Die passende Unterstützung soll zu ihm kommen.

Deshalb wollen wir, dass die Landesregierung, gemeinsam mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und den weiteren Partnern prüfen, wie diese Beratungsform in Nordrhein-Westfalen stärker genutzt werden kann.

- Dazu brauchen wir praktikable Regeln.
- Klare Zuständigkeiten.
- Einen sicheren Datenschutz.
- Und barrierefreie Angebote, die im Alltag tatsächlich funktionieren.

Meine Damen und Herren,

ein moderner Sozialstaat muss nicht weniger können.
Er muss seine Fähigkeiten besser zusammenbringen.

- Gute Beratung schafft Orientierung.
- Gute Zusammenarbeit schafft kurze Wege.
- Und kurze Wege bringen Menschen schneller in Ausbildung, Qualifizierung und Arbeit.
Genau darum geht es. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.