Charlotte Quik zu TOP 7 „Chancengleichheit von Anfang an – Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung sofort entschieden begegnen“

08.03.2023

Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,

in vielen Gesprächen in Einrichtungen vor Ort und mit Verbänden hier im Landtag wird mir immer wieder deutlich: Der nicht wegzudiskutierende
Fachkräftemangel führt dazu, dass viele Erzieherinnen und Erzieher ihrer eigentlichen Aufgabe mancherorts kaum noch nachkommen können, ein
qualifiziertes Angebot der frühkindlichen Bildung. Das zerrt, wie Sie aus meiner Sicht zutreffend beschreiben, an allen Beteiligten. Deshalb ist eine
Fachkräfteoffensive ein absoluter Schwerpunkt der Arbeit der neuen Landesregierung. Die ersten Schritte wurden hier schon gegangen und es
zeichnet sich deutlich ab, dass wir nicht vor einem Sprint, sondern  vielmehr vor einem Marathon stehen. Eine schnelle Lösung für den
Mangel an Erzieherinnen und Erziehern ist –so ehrlich möchte ich sein – nicht realistisch.
Als Zukunftskoalition von CDU und GRÜNEN werden wir uns der Herausforderung des Fachkräftemangels, der viele andere Berufsfelder in
gleicher Weise betrifft, natürlich stellen. Im Januar hat der Landtag auf Antrag der regierungstragenden Fraktionen bereits ein erstes
umfangreiches Maßnahmen-Paket beschlossen:
•Wir werden prüfen, wie die pädagogischen Fachkräfte und die Kita-Leitungen perspektivisch durch den Einsatz von
Verwaltungsassistentinnen und Verwaltungsassistenten entlastet werden können sowie Bürokratie abgebaut werden kann, ohne wichtige
Dokumentationsvorgänge zu schmälern. Hier ist außerdem zu erwähnen, dass wir eine Fortführung des erfolgreichen Kita-Helfer Programmsbereits auf den Weg gebracht haben und es dem pädagogischen
Fachpersonal so ermöglichen, sich verstärkt auf die eigene Kernaufgabe zu konzentrieren, die professionelle Betreuung und Erziehung von Kindern.
•Wir werden die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen verbessern und beschleunigen.
•Wir werden gemeinsam mit Kommunen und Trägern eine Ausbildungsplatzoffensive an Fachschulen starten.
•Wir werden mit den Hochschulen Verhandlungen führen mit dem Ziel, die Studienplatzkapazitäten der Kindheitspädagogik zu erhöhen.
•Wie werden prüfen, wie verbesserte Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung eine Tätigkeit in Erziehungsberufen attraktiver macht.
•Wir werden Anreize schaffen, damit junge Menschen Freiwilligendienste (FSJ und BFD) in Sozial- und Erziehungsberufen absolvieren.
•Wir werden die praxisintegrierte Ausbildung kontinuierlich weiter ausbauen.

Das „Sofortprogramm Kita“, das im engen Austausch mit den Trägern entstanden ist und von der Landesregierung vorgestellt wurde, stellt einen
ersten, vorgelagerten Baustein der Fachkräfteoffensive dar. Klar ist: Die Maßnahmen können nur ein erster Schritt sein, dem weitere folgen. Sie
werden unverzüglich umgesetzt und sollen innerhalb der nächsten Monate ihre Wirkung entfalten.Konkret sollen unter anderem folgende Ad-hoc-Maßnahmen helfen, dass
schon bald mehr Menschen in den Kindertagesstätten arbeiten:
•Kita-FSJ: Die Landesregierung wird einen Sozialdienst in den Kitas weiter forcieren. Wer ein FSJ in der Kita absolvieren möchte, soll die
Gelegenheit dazu erhalten. Positive Erfahrungen in diesem Jahr, machen das Arbeitsfeld der frühkindlichen Bildung attraktiv für Interessenten.
•Kinderpfleger: Wir stellen 20 Millionen bereit, um die erfolgreiche praxisintegrierte Ausbildung (PiA-K) fortzuführen und fördern 1400 Ausbildungsplätze.
•Quereinsteiger fördern: Hochschulen sollen strukturiert angesprochen werden, um Studierende aus pädagogischen Fachrichtungen gezielt in
multiprofessionellen Teams für den Einsatz in der Kindertagesbetreuung zu gewinnen. Darüber hinaus sollen weitere Berufsgruppen (Psychologen,
Sportpädagogen, Kunstpädagogen und Medienpädagogen) für den Einsatz in Kitas zugelassen und gewonnen werden.
•Ausweitung Integrationsbegleiterinnen: Integrationsbegleiterinnen sind Frauen mit eigener Einwanderungsgeschichte. Sie unterstützen die
pädagogischen Fachkräfte in den Kitas und sind wichtige Ansprechpartnerinnen für Familien. Wir rollen das Projekt landesweit aus.
Wichtig ist, das Träger Praxisstellen zur Verfügung stellen.Sie sprechen außerdem das Kinderbildungsgesetzt (KiBiz) an und fordern
eine Überarbeitung. Dies haben wir uns für die noch junge Legislaturperiode vorgenommen. Wir evaluieren das KiBiz momentan
umfangreich und aufwendig. Noch in diesem Jahr werden die Ergebnisse vorliegen und wir werden daraus Schlüsse ziehen, welche Änderungen
der rechtlichen Rahmenbedingungen für die frühkindliche Bildung Familien und Einrichtungen entlasten.
Schließlich fordern Sie eine besser Bezahlung für Erzieherinnen und Erzieher. Mir ist niemand im Kontext der Landespolitik bekannt, der sich
gegen eine bessere Bezahlung von Erzieherinnen und Erzieher sperren würde. Allerdings unterliegt die konkrete Ausgestaltung des
Gehaltsgefüges der Tarifautonomie, die sich in unserem Land bewährt hat. Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennen die Besonderheiten in ihren
Berufsfeldern am besten und verhandeln auf Augenhöhe faire Löhne. Das Land hat noch unter schwarz-gelber Regierung eine Dynamisierung der
KiBiz-Pauschalen umgesetzt und passt seine Zahlungen in der Folge den Ergebnissen der Tarifverhandlungen an.
Ich kann Ihren Unmut und auch Ihren Frust nachvollziehen. Leider kann ich Ihnen keine schnellen Lösungen zusagen. Sie sehen aber hoffentlich,
dass die regierungstragenden Fraktionen und die Landesregierung mit Hochdruck an solchen arbeiten.

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